Migration von Oracle zu PostgreSQL

Dieses dreitägige Seminar vermittelt Methodik, Werkzeuge und Best Practices für eine erfolgreiche und sichere Datenbankmigration von Oracle zu PostgreSQL. Du lernst die fundamentalen Architekturunterschiede, das Datentyp-Mapping und die Konvertierung von PL/SQL zu PL/pgSQL kennen, dazu Strategien für Datenübernahme, Testing und Performance-Optimierung. Am Ende hast du das Rüstzeug, eine Oracle-Migration methodisch zu planen und die Umsetzung strukturiert anzugehen.

Für wen ist dieses Seminar

Das Seminar richtet sich an Datenbankadministratoren (DBAs), Datenbankentwickler, Systemarchitekten und Migrationsberater, die eine Oracle-Datenbank nach PostgreSQL migrieren oder eine Migration fachlich begleiten. Das Angebot richtet sich an Unternehmen, Behörden und Selbstständige.

Was du mitbringen solltest

Du bringst fundierte Erfahrung in der Administration und Entwicklung mit Oracle-Datenbanken (SQL, PL/SQL) sowie grundlegende Linux-Kenntnisse mit. Geschult wird auf der jeweils aktuellen Version; bei Inhouse-Seminaren gern auch auf der Version, die ihr im Einsatz habt.

Detaillierte Inhalte

Architektur- und Konzeptvergleich

  • Systemarchitektur: Oracle Instanz/Datenbank vs. PostgreSQL Cluster/Datenbank
  • Speicherverwaltung: Tablespaces, Datafiles und das Speichermodell
  • Nebenläufigkeit und Transaktionen: Oracle Undo-Segmente vs. PostgreSQL Multi-Version Concurrency Control (MVCC)
  • Prozessarchitektur und Background-Prozesse im Vergleich
  • Mapping von System-Views (Data Dictionary vs. Information Schema / pg_catalog)

Migrationsstrategien und Planung

  • Phasen eines Migrationsprojekts (Assessment, Schema-Migration, Datenmigration, Code-Migration, Testing, Go-Live)
  • Migrationsansätze: Big Bang, inkrementelle Migration und Parallelbetrieb
  • Fallback- und Rollback-Szenarien
  • Kompatibilitätsbewertung und Aufwandsschätzung

Werkzeuge für die Migration

  • Einführung und Konfiguration von Ora2Pg
  • Nutzung des AWS Schema Conversion Tool (SCT) zur Code-Analyse
  • Übersicht kommerzieller Tools (z. B. EDB Migration Toolkit)
  • Datenübertragung mit pgloader

Schema- und Strukturmigration

  • Mapping der Datentypen (z. B. NUMBER zu NUMERIC, VARCHAR2 zu VARCHAR, DATE vs. TIMESTAMP)
  • Konvertierung von Tabellen, Constraints (Primary Keys, Foreign Keys, Check) und Sequenzen
  • Übersetzung von Oracle-spezifischen Indizes (Bitmap-Indizes, Reverse Key, Function-based)
  • Umsetzung von Tabellen-Partitionierung in PostgreSQL
  • Umgang mit LOBs (Large Objects) und JSON-Datenstrukturen
  • Zeichensatz-Migration: Oracle NLS_CHARACTERSET/AL32UTF8 zu PostgreSQL-Encoding UTF-8
  • Groß-/Kleinschreibung von Bezeichnern: Oracle speichert unquotierte Namen in Großbuchstaben, PostgreSQL in Kleinbuchstaben — ein Punkt, der Migrationsskripte und generierte DDL beeinflusst
  • Benutzer, Rollen und Rechte: Oracle-Benutzer, -Profile sowie System- und Objektprivilegien auf PostgreSQL-Rollen und das GRANT-Konzept übertragen

Code-Migration: PL/SQL zu PL/pgSQL

Wer PL/pgSQL nicht nur portieren, sondern von Grund auf lernen möchte, findet das im Seminar PL/pgSQL-Programmierung.

  • Syntaxunterschiede zwischen PL/SQL und PL/pgSQL
  • Migration von Stored Procedures, Funktionen und Triggern (Statement- vs. Row-Level)
  • Lösungsansätze für fehlende Oracle-Konzepte: Packages (Nutzung von Schemata), Autonomous Transactions, DUAL-Tabelle
  • Konvertierung von expliziten und impliziten Cursorn
  • Anpassung von Fehlerbehandlung (Exception Handling) und dynamischem SQL (EXECUTE IMMEDIATE)
  • Übersetzung von Oracle-spezifischen Funktionen (NVL, DECODE, SYSDATE, ROWNUM)
  • Sortier- und Vergleichslogik: Oracle NLS_SORT/NLS_COMP auf passende PostgreSQL-Collations abbilden
  • Die Kompatibilitätserweiterung orafce als Übergangshilfe für häufige Oracle-Funktionen und -Pakete

Datenübernahme und Replikation

  • Initiale Datenmigration: Export/Import-Strategien und Bulk-Loading (COPY)
  • Direkte Datenbankverbindungen über Foreign Data Wrapper (oracle_fdw)
  • Nahezu ausfallfreie Migration (Near-Zero Downtime) und Change Data Capture (CDC)
  • Einsatz von logischer Replikation, Debezium oder Oracle GoldenGate

Testing, Validierung und Go-Live

  • Strategien zur Verifizierung der Datenkonsistenz und Vollständigkeit
  • Funktionstests für migrierte Geschäftslogik
  • Last- und Performancetests auf dem neuen System
  • Anwendungsseitige Anpassungen vor dem Cutover: JDBC-/ODBC-Treiber, Verbindungszeichenfolgen und ORM-Konfiguration (z. B. Hibernate, JPA) auf PostgreSQL umstellen und testen
  • Cutover-Planung für den produktiven Wechsel

Performance-Optimierung und PostgreSQL-Betrieb

  • Wichtige Tuning-Parameter in der postgresql.conf (shared_buffers, work_mem, maintenance_work_mem)
  • Konfiguration und Optimierung des Autovacuum-Daemons zur Vermeidung von Bloat
  • Anpassung von Backup- und Recovery-Strategien (Ablösung von RMAN durch pgBackRest oder Barman); für Multi-Cluster-Szenarien lohnt zusätzlich ein Blick auf das quelloffene Werkzeug pg-clusterbackup
  • Überwachung (Monitoring) von Performance und Sperren (Locks) in PostgreSQL
  • Zeitgesteuerte Jobs: Ablösung von DBMS_SCHEDULER durch pg_cron oder einen externen Scheduler
  • Hochverfügbarkeit: Ablösung von Oracle Data Guard durch PostgreSQL Streaming Replication und Patroni für automatisiertes Failover

Dauer: 3 Tage

Was du danach kannst

  • Architekturunterschiede zwischen Oracle und PostgreSQL einordnen und eine Migration methodisch planen
  • Schema, Datentypen, Constraints und Indizes von Oracle nach PostgreSQL übertragen
  • PL/SQL-Code inklusive Packages, Cursorn und Exception Handling zu PL/pgSQL portieren
  • Benutzer, Rollen und Rechte sowie zeitgesteuerte Jobs in der neuen Umgebung nachbilden
  • Anwendungen, Treiber und ORM-Konfiguration auf PostgreSQL umstellen
  • Eine migrierte Datenbank testen, performant betreiben und für Hochverfügbarkeit absichern

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Dein Dozent

Frank Glück schult seit mehr als 30 Jahren und programmiert seit fast 40 Jahren. Seit 1999 ist er auch als Dozent für die GFU tätig. Ebenfalls seit 1999 begleitet, coacht oder führt er Migrationen nach PostgreSQL durch — darunter Dutzende Oracle-Datenbanken bei Konzernen und Behörden, etwa aus Banken, Versicherungen und der Automobilindustrie. Im Seminar geht er gezielt auf die Stellen ein, an denen solche Projekte in der Praxis haken.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie aufwendig ist die Umstellung von Oracle PL/SQL auf PostgreSQL PL/pgSQL?

Der Aufwand hängt stark von proprietären Features ab. Während Standard-SQL, Views und einfache Trigger fast 1:1 übertragbar sind, erfordern Oracle-Spezifika wie Autonomous Transactions, Packages, DBMS-Standard-Packages oder spezielle Cursor-Konstrukte gezielte architektonische Anpassungen. Im Seminar lernst du bewährte Entwurfsmuster kennen, um diese Konstrukte sauber und performant in PL/pgSQL abzubilden.

Welche Migrationstools werden im Seminar behandelt?

Wir vergleichen verbreitete Open-Source- und Cloud-Werkzeuge für Schema- und Datenübernahme. Im Fokus stehen ora2pg, pgloader und AWS Schema Conversion Tool (SCT). Du lernst, welche Werkzeuge für automatisiertes DDL-Mapping taugen, wo manuelle Nacharbeit unvermeidbar ist und wie du große Datenmengen parallel und konsistent überträgst.

Können wir im Seminar an unseren eigenen Oracle-Schemata arbeiten?

Ja, bei Inhouse-Schulungen ist das sogar ausdrücklich empfohlen. Wir analysieren deine realen Tabellenstrukturen, gespeicherten Prozeduren und Ausführungspläne direkt vor Ort. Bei Bedarf schließen wir vorab eine Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) und eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung (AVV).

Wo findet die Schulung statt?

Das dreitägige Seminar führen wir flexibel als Inhouse-Schulung direkt bei euch im Unternehmen (in Köln, NRW und bundesweit) oder als interaktives Live-Online-Seminar per Remote-Schaltung durch.


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