Migration von IBM Db2 zu PostgreSQL
Dieses dreitägige Seminar behandelt die strukturierte Migration von IBM Db2 (LUW oder z/OS) zu PostgreSQL. Du lernst die wesentlichen Architekturunterschiede, das Datentyp-Mapping und die Portierung von Db2 SQL PL zu PL/pgSQL kennen, dazu effiziente Strategien für Datenexport, Code-Adaption, Testing und Performance-Optimierung. Am Ende hast du das Rüstzeug, eine Db2-Migration strukturiert zu planen und die Umsetzung vorzubereiten.
Für wen ist dieses Seminar
Das Seminar richtet sich an Datenbankadministratoren (DBAs), Datenbankentwickler, Systemarchitekten und Migrationsberater, die eine Db2-Umgebung nach PostgreSQL überführen wollen. Das Angebot richtet sich an Unternehmen, Behörden und Selbstständige.
Was du mitbringen solltest
Du bringst fundierte Administrations- und Entwicklungskenntnisse in IBM Db2 (SQL, SQL PL) sowie Erfahrung mit relationalen Datenbankkonzepten mit. Geschult wird auf der jeweils aktuellen Version; bei Inhouse-Seminaren gern auch auf der Version, die ihr im Einsatz habt.
Detaillierte Inhalte
Architektur- und Konzeptvergleich
- Systemarchitektur: Db2 Instanzen und Datenbanken vs. PostgreSQL Cluster
- Speicherverwaltung: Db2 Bufferpools und Tablespaces vs. PostgreSQL Shared Buffers
- Transaktionsmanagement und Concurrency: Db2 Locking vs. PostgreSQL MVCC (Multi-Version Concurrency Control)
- Systemkataloge: Db2
SYSCAT/SYSIBMvs. PostgreSQLpg_catalogund Information Schema
Migrationsstrategien und Werkzeuge
- Phasen der Migration (Assessment, Schema, Daten, Code, Testing, Go-Live)
- Evaluierung von Migrationswerkzeugen: AWS Schema Conversion Tool (SCT), Ispirer, ESF Database Migration Toolkit
- Db2-native Werkzeuge nutzen:
db2lookfür DDL-Extraktion,db2moveundEXPORTfür Daten - Aufwandsschätzung, Kompatibilitätsbewertung und Risikomanagement
Schema- und Strukturmigration
- Mapping der Datentypen (z. B.
DECFLOATzuNUMERIC,XMLzuXMLoderJSONB,CLOB/BLOBzuTEXT/BYTEA) - Übertragung von Constraints (Primary Key, Foreign Key, Check), Indizes und Sequenzen
- Konvertierung von Db2 Identity Columns zu PostgreSQL
SERIALoderGENERATED ALWAYS AS IDENTITY - Umsetzung von Db2 Partitioning (Range, Hash, MDC/ITC) in PostgreSQL Declarative Partitioning
- Benutzer, Rollen und Rechte: Db2-Benutzer, Gruppen und Autorisierungen auf PostgreSQL-Rollen und das
GRANT-Konzept übertragen - Zeichensätze und Sortierung: Db2 vergleicht Zeichenketten wie PostgreSQL standardmäßig unter Beachtung der Groß-/Kleinschreibung; bei Bedarf lassen sich über ICU-Collations dennoch gezielt case-insensitive Vergleiche abbilden
Code-Migration: SQL PL zu PL/pgSQL
Wer PL/pgSQL nicht nur portieren, sondern von Grund auf lernen möchte, findet das im Seminar PL/pgSQL-Programmierung.
- Syntaxunterschiede zwischen Db2 SQL PL und PostgreSQL PL/pgSQL
- Konvertierung von Stored Procedures, UDFs (User Defined Functions) und Triggern
- Behandlung von Cursorn, Schleifen und Exception Handling (
DECLARE ... HANDLERvs.EXCEPTION-Blöcke) - Db2-spezifische Funktionen und Ausdrücke ersetzen (z. B.
DAYS,MICROSECOND,DECODE,NVL) - Anpassung von dynamischem SQL (
EXECUTE IMMEDIATEzuEXECUTE)
Datenübernahme und Synchronisation
- Initiale Datenmigration: Export via Db2
EXPORT(DEL/IXF) und Import via PostgreSQLCOPY - Umgang mit Codepages, Zeichensätzen und Collation-Unterschieden
- Change Data Capture (CDC) für ausfallarme Migrationen (Near-Zero Downtime, z. B. Nutzung von Debezium als Alternative zu Q Replication)
- Behandlung großer Datenmengen und LOBs während des Netzwerktransfers
Testing, Validierung und Go-Live
- Validierung der Datenkonsistenz (Row Counts, Hash-Summen)
- Funktionstests für migrierte Geschäftslogik und Schnittstellen
- Performancetests und Lastensimulation auf dem neuen System
- Anwendungsseitige Anpassungen vor dem Cutover: JDBC-/ODBC-/.NET-Treiber, Verbindungszeichenfolgen und ORM-Konfiguration auf PostgreSQL umstellen und testen
- Cutover-Strategien, Parallelbetrieb und Fallback-Szenarien
Performance-Optimierung und PostgreSQL-Betrieb
- PostgreSQL Autovacuum als Ersatz für Db2
REORGundRUNSTATS - Konfiguration der
postgresql.confim Vergleich zu Db2 DBM- und DB-CFG-Parametern - Ausführungspläne analysieren und optimieren: Db2
db2expln/EXPLAINvs. PostgreSQLEXPLAIN ANALYZE - Backup- und Recovery-Konzepte anpassen (Db2
BACKUP DATABASEvs.pg_dumpund pgBackRest); für Multi-Cluster-Szenarien lohnt zusätzlich ein Blick auf das quelloffene Werkzeug pg-clusterbackup - Zeitgesteuerte Jobs: Ablösung von Db2-Tasks/Scheduler durch
pg_cronoder einen externen Scheduler - Hochverfügbarkeit: Ablösung von Db2 HADR durch PostgreSQL Streaming Replication und Patroni
Dauer: 3 Tage
Was du danach kannst
- Architekturunterschiede zwischen Db2 und PostgreSQL einordnen und eine Migration methodisch planen
- Schema, Datentypen, Constraints und Partitionierung von Db2 nach PostgreSQL übertragen
- SQL-PL-Code inklusive Prozeduren, UDFs und Triggern zu PL/pgSQL portieren
- Benutzer, Rollen, Rechte und zeitgesteuerte Jobs in der neuen Umgebung nachbilden
- Eine Migration mit Change Data Capture ausfallarm umsetzen (Near-Zero Downtime)
Verwandte Seminare
- PL/pgSQL-Programmierung — SQL-PL-Wissen gezielt in PL/pgSQL-Kenntnisse überführen
- PostgreSQL Administration — Betrieb, Backup und Wartung der Zielumgebung
- PostgreSQL Performance-Tuning — Feintuning nach dem Go-Live
- Datenbankübergreifendes Performance-Tuning — Tuning-Vergleich über mehrere Datenbanksysteme
Dein Dozent
Frank Glück schult seit mehr als 30 Jahren und programmiert seit fast 40 Jahren. Seit 1999 ist er auch als Dozent für die GFU tätig. Db2-Datenbanken gehören zu den Systemen, deren Migration nach PostgreSQL er seit 1999 begleitet, coacht oder selbst durchführt, typischerweise in Konzernumgebungen wie Banken und Versicherungen — die Best Practices im Seminar stammen direkt aus diesen Projekten.
Häufige Fragen (FAQ)
Was sind die größten Hürden beim Wechsel von IBM Db2 auf PostgreSQL?
Zentrale Herausforderungen liegen in dialektspezifischen SQL-Funktionen, der Portierung von Db2 SQL PL (insbesondere Cursorn, dynamischem SQL und Handler-Konstrukten) sowie der Umstellung von Db2-Wartungsroutinen (REORG, RUNSTATS) auf das kontinuierliche Autovacuum-Konzept von PostgreSQL.
Wie wird Db2 Data Partitioning (DPF) in PostgreSQL abgebildet?
Tabellen-Partitionierung wird in PostgreSQL über Declarative Partitioning umgesetzt. Für verteilte Datenbankarchitekturen (Shared Nothing wie Db2 DPF) kommen bei PostgreSQL Sharding-Konzepte, Foreign Data Wrapper (postgres_fdw) oder Cluster-Erweiterungen wie Citus zum Einsatz.
Wie läuft die Datenübernahme von Db2 zu PostgreSQL performant ab?
Große Datenmengen werden primär über Db2-Exporte in abgegrenzte Textformate oder parallele Streams exportiert und über den PostgreSQL-COPY-Befehl massenweise eingelesen. Für minimale Ausfallzeiten wird ein kontinuierliches Change Data Capture (CDC, z. B. via Debezium) aufgesetzt.