Programmieren mit lokaler KI: Dein Code bleibt im Haus
In diesem zweitägigen Seminar lernst du als erfahrener Entwickler, einen vollwertigen KI-Coding-Assistenten komplett auf eigener Hardware zu betreiben — mit Ollama und anderen Werkzeugen, passenden Open-Weight-Sprachmodellen und IDE-Integration. Kein Code verlässt dein Netzwerk, keine Token-Kosten, kein Drittanbieter. Für alle, die KI nutzen wollen, ohne ihr Betriebsgeheimnis aus der Hand zu geben.
Kein Cloud-Abo, keine Daten-Weitergabe, kein API-Schlüssel zu einem US-Anbieter. Du brauchst nur eigene Hardware — wie viel genau, klären wir am ersten Tag.
Warum dein Code in der Cloud ein Geschäftsgeheimnis-Risiko ist
Cloud-basierte KI-Assistenten sind bequem — aber jede Anfrage schickt deinen Quellcode an einen externen Anbieter. Für Hobbyprojekte ist das egal. Für ein Unternehmen, das von seinem Code lebt, ist es ein konkretes Problem.
Quellcode ist in den meisten Firmen ein Geschäftsgeheimnis im Sinne des Geschäftsgeheimnisgesetzes (GeschGehG). Den Schutz genießt er aber nur, solange „angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen" getroffen werden. Wer proprietären Code routinemäßig an einen Cloud-Dienst überträgt, dessen Verarbeitung er nicht kontrolliert, schwächt im Zweifel genau diesen Schutz. Dazu kommen die praktischen Fragen: Wird mein Code zum Training verwendet? Wo stehen die Server? Greift US-Recht auf die Daten zu? Was steht im Vertrag mit meinen eigenen Kunden, deren Code ich gerade hochlade?
Lokale KI dreht das um: Das Modell läuft auf deiner Hardware, der Code bleibt im internen Netz. Du musst niemandem vertrauen außer dir selbst — und genau das ist für viele erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler der entscheidende Punkt.
Typische Anwendungsfälle
- Code-Vervollständigung in der IDE — Inline-Vorschläge direkt in VS Code oder JetBrains, ganz ohne externen Dienst.
- Refactoring von Altcode — Legacy-Module verständlich machen und umbauen, ohne sie einem Dritten zu zeigen.
- Code-Review-Unterstützung — eine zweite Meinung zu einem Diff, bevor er in den Hauptzweig geht.
- Testfälle generieren — Unit-Tests aus bestehenden Funktionen ableiten lassen.
- Dokumentation — Docstrings, READMEs und Kommentare aus dem Code erzeugen.
- RAG auf der eigenen Codebasis — Fragen über das interne Repository und die interne Doku beantworten lassen.
- Air-gapped-Umgebungen — Entwicklung in Netzen ohne Internetzugang (Behörden, kritische Infrastruktur, Verteidigung).
- Team-Assistent on-premise — ein gemeinsamer LLM-Server für das ganze Entwicklungsteam, hinter der eigenen Firewall.
Die Werkzeuge und Modelle, die du im Seminar kennenlernst
Lokale KI ist erwachsen geworden. Es gibt ausgereifte Laufzeitumgebungen und eine ganze Reihe offener Sprachmodelle, die speziell aufs Programmieren trainiert sind. Wir arbeiten praktisch mit den wichtigsten:
- Ollama — der einfachste Einstieg: ein Modell mit einem Befehl laden und über eine OpenAI-kompatible lokale API ansprechen. Ideal für Einzelplatz und kleine Teams.
- llama.cpp — die Engine darunter. Hier verstehst du Quantisierung (GGUF), CPU- gegen GPU-Betrieb und wie du das Maximum aus vorhandener Hardware holst.
- LM Studio — grafische Oberfläche zum Ausprobieren und Vergleichen von Modellen, inklusive lokalem Server-Modus.
- vLLM — auf hohen Durchsatz ausgelegt, für einen echten Team-Server: schnelle, parallele Anfragen mit OpenAI-kompatibler Schnittstelle.
- Continue.dev / Tabby — die Brücke in die IDE: Autovervollständigung und Chat in VS Code und JetBrains, angebunden an dein lokales Modell.
- Open WebUI — eine selbstgehostete Chat-Oberfläche für das Team, falls nicht jeder in der IDE arbeiten will.
Bei den Modellen kommt es auf den Zweck an. Diese Auswahl deckt das ab, was für Entwicklungsteams am relevantesten ist:
| Modell-Familie | Stärke | Größen | Lizenz-Hinweis (vor Einsatz prüfen!) |
|---|---|---|---|
| Qwen Coder (Alibaba) | Code-Spezialist, im Open-Weight-Bereich sehr stark | klein – groß | überwiegend Apache 2.0 (je Variante prüfen) |
| DeepSeek Coder | Code plus Reasoning, effizientes MoE-Design | mittel – groß | kommerziell nutzbar, Nutzungsbeschränkungen beachten |
| Gemma (Google) | kompakt und vielseitig, gute Code- und Textfähigkeiten, läuft auch ohne große GPU | klein – mittel | Gemma-Nutzungsbedingungen (je Generation prüfen) |
| CodeGemma (Google) | auf Code spezialisierte Gemma-Variante | klein – mittel | Gemma-Nutzungsbedingungen (je Generation prüfen) |
| Llama (Meta) | vielseitiger Allrounder | klein – groß | Llama-Community-Lizenz (Einschränkungen u. a. für sehr große Anbieter und für multimodale Varianten in der EU) |
| Codestral (Mistral) | reines Code-Modell mit großem Kontext | mittel | Mistral Non-Production-Lizenz — Produktiveinsatz nur mit gesonderter Lizenz |
| Phi (Microsoft) | klein, stark, läuft auf bescheidener Hardware | klein | meist MIT (Variante prüfen) |
| StarCoder (BigCode) | breite Sprachabdeckung, offen entwickelt | klein – mittel | OpenRAIL-M (Nutzungsbedingungen beachten) |
Hinweis: Die Tabelle nennt bewusst Modell-Familien statt Versionsnummern — neue Generationen erscheinen im Monatstakt, die Stärken der Familien bleiben. Welche Version gerade vorn liegt, prüfen wir im Seminar tagesaktuell an deinen eigenen Code-Aufgaben. Vor allem Lizenzen ändern sich: Bei kommerzieller Nutzung gehört die Lizenz vor dem Produktiveinsatz beim jeweiligen Anbieter gegengeprüft — wie man das systematisch macht, ist Teil des Seminars.
Vorteile für Entwicklerteams, die ihr Wissen schützen
1. Datenhoheit statt Vertrauensvorschuss
Dein Code wird ausschließlich auf deiner Hardware verarbeitet. Du musst keinem Anbieter glauben, dass er nichts speichert oder mittrainiert — er sieht den Code schlicht nie.
2. Betriebsgeheimnis leichter schützen
Wer geheimhaltungsbedürftigen Code nicht nach außen gibt, hält die „angemessenen Geheimhaltungsmaßnahmen" leichter ein, an die das GeschGehG den Schutz knüpft. Auch Vertraulichkeitszusagen gegenüber deinen Kunden lassen sich so einfacher einhalten.
3. Keine laufenden Kosten pro Anfrage
Lokale Modelle kosten kein Token-Entgelt. Nach der Anschaffung der Hardware sind Vervollständigungen, Reviews und Test-Generierung im Tagesgeschäft praktisch gratis — auch bei intensiver Nutzung.
4. Funktioniert offline und air-gapped
Kein Internetzugang nötig. Das eröffnet KI-Unterstützung auch in abgeschotteten Netzen, in denen Cloud-Tools schlicht verboten sind.
5. Volle Kontrolle und Reproduzierbarkeit
Du legst fest, welche Modellversion läuft — sie ändert sich nicht über Nacht unter dir weg. Modelle lassen sich versionieren, testen und gezielt austauschen.
6. Anpassbar an deinen Kontext
Über RAG (Retrieval-Augmented Generation) bindest du deine eigene Codebasis und Doku an, ohne das Modell selbst zu verändern — die Antworten kennen dann deine internen Konventionen.
Vom Setup zum produktiven Assistenten
Detaillierte Inhalte
Zwei Tage, hands-on von Anfang an — du brauchst einen Laptop, den Rest richten wir gemeinsam ein.
Rechtliche und strategische Grundlagen
- Warum lokal? Betriebsgeheimnis, DSGVO, GeschGehG und die realen Cloud-Risiken
- Modell-Landschaft: Open-Weight-Modelle, Lizenzen richtig lesen und vor dem Einsatz prüfen
- Quantisierung verstehen: welches Modell zu welcher Hardware passt
Setup und lokaler Modellbetrieb
- Ollama installieren, erstes Modell laden, Prompting-Grundlagen fürs Programmieren
- llama.cpp und LM Studio: VRAM, CPU gegen GPU, das passende Modell für deine Maschine
- Sicherheit, Governance und Modell-Updates im laufenden Betrieb
IDE-Integration und RAG auf eigenem Code
- Continue.dev und Tabby in VS Code und JetBrains anbinden
- RAG auf der eigenen Codebasis: lokale Embeddings und Vektor-Datenbank (u. a. mit pgvector)
Modelle an eigenen Code-Aufgaben vergleichen
- Mehrere lokale Modelle blind an denselben eigenen Code-Aufgaben testen statt dem ersten Eindruck zu vertrauen
- Bewertungsmethodik: reproduzierbare Kriterien statt Bauchgefühl bei der Modellwahl
- Die vertiefte Bewertungsmethodik — auch für Textextraktion und andere Nicht-Code-Aufgaben — zeigt das Seminar „Lokale KI für Datenanalyse & Datenextraktion"
Team-Server und Rollout
- Eigener LLM-Server: Ollama oder vLLM als Team-Dienst über eine OpenAI-kompatible API
- Von der Einzelplatz-Lösung zum gemeinsamen Assistenten hinter der Firewall
- Die ehrlichen Grenzen lokaler Modelle im Vergleich zu Cloud-KI
Häufige Fragen (FAQ)
Brauche ich eine teure Grafikkarte für lokale KI?
Nicht zwingend. Kleinere, quantisierte Modelle laufen brauchbar auf einer modernen CPU mit genug RAM. Für flüssige Code-Vervollständigung und größere Modelle hilft eine GPU mit ausreichend Videospeicher deutlich. Im Seminar ordnen wir konkrete Modellgrößen realistischen Hardware-Anforderungen zu, damit du weißt, was deine Maschine schafft.
Welche Vorkenntnisse sollte ich mitbringen?
Das Seminar richtet sich an erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler. Du solltest sicher in mindestens einer Programmiersprache sein und dich auf der Kommandozeile wohlfühlen. KI-Vorwissen ist nicht nötig — wir bauen es von Grund auf auf.
Bleibt mein Code wirklich vollständig im Haus?
Ja. Bei korrekt eingerichteter lokaler KI verlässt dein Code das eigene Netz nicht — das Modell läuft auf deiner Hardware, die Verarbeitung passiert lokal. Genau diese saubere Einrichtung und ihre Überprüfung sind Kerninhalt des Seminars.
Darf ich die Modelle kommerziell einsetzen?
Das hängt vom konkreten Modell ab. Viele offene Modelle erlauben kommerzielle Nutzung unter permissiven Lizenzen, andere haben Einschränkungen — Codestral etwa verlangt für den produktiven Einsatz eine gesonderte Lizenz. Wir zeigen dir, wie du Modell-Lizenzen systematisch prüfst, bevor du sie ins Unternehmen holst.
Wie gut ist lokale KI im Vergleich zu großen Cloud-Modellen?
Für viele Programmieraufgaben — Vervollständigung, Refactoring, Tests, Doku — sind moderne Code-Modelle erstaunlich nah dran. Bei den schwierigsten Reasoning-Aufgaben haben die größten Cloud-Modelle weiterhin die Nase vorn. Wir sprechen offen über diese Grenzen, damit du realistische Erwartungen hast.
Kann das ganze Team einen gemeinsamen lokalen Assistenten nutzen?
Ja. Mit einem zentralen LLM-Server (etwa über vLLM oder Ollama) und einer OpenAI-kompatiblen API greifen alle Entwicklerinnen und Entwickler auf dasselbe Modell hinter der Firewall zu. Das richten wir am zweiten Tag praktisch ein.
Bietet ihr das Seminar auch inhouse an?
Ja. Das Seminar lässt sich als Inhouse-Schulung in deinem Unternehmen durchführen — auf Wunsch zugeschnitten auf eure Sprachen, Tools und Infrastruktur. Sprich uns einfach über die Kontaktseite an.
Technische Voraussetzungen
Du brauchst einen eigenen Laptop mit Administratorrechten (Windows, macOS oder Linux) und idealerweise mehrere Gigabyte freien Speicher für die Modelle. Eine dedizierte GPU ist von Vorteil, aber kein Muss — wir haben Modellgrößen für jede Ausstattung dabei. Internetzugang ist nur zum erstmaligen Herunterladen der Modelle nötig; das eigentliche Arbeiten läuft danach offline.
Verwandte Seminare
Lokale KI ist ein Baustein — diese dozent.net-Seminare bauen darauf auf oder ergänzen das Thema:
- PHP Professionelles Programmieren mit KI — KI gezielt im professionellen PHP-Alltag einsetzen.
- KI & VibeCoding für PHP-Entwickler — schneller Einstieg ins KI-gestützte Entwickeln für PHP-Profis.
- Webanwendungen entwickeln mit Claude und anderen KI-Agenten — der Cloud-Gegenpol: Entwicklung mit KI-Agenten wie Claude (Anthropic).
- Programmieren mit KI – Claude Code und lokale KI: Einstieg für Softwareentwickler — Claude Code und lokale KI an denselben Aufgaben im Vergleich: ein Praxistag für Entwicklerteams.
- Datenbankanalysen mit KI – SQL-Seminar mit AI — dasselbe Prinzip, angewandt auf SQL und Datenbanken.
Dein Dozent
Frank Glück schult seit mehr als 30 Jahren und programmiert seit fast 40 Jahren. Seit 1999 ist er auch als Dozent für die GFU tätig.
Individuell anfragen
Keine Cloud, keine Token-Abrechnung, keine Übermittlung an Cloud-Anbieter — nur du, deine Hardware und ein Assistent, der im eigenen Netz bleibt. Frag jetzt einen Termin an, gern auch als Inhouse-Schulung für dein Team. Das Angebot richtet sich an Unternehmen, Behörden und Selbstständige.